Humboldt Explorers in Mexiko-Stadt

Bildquelle: Webseite der Deutschen Auslandsschule Alexander von Humboldt, Lomas Verdes
Auslandsbericht zum Praxissemester an der Deutschen Auslandsschule Alexander von Humboldt in Mexiko-Stadt von Hannah Schultz
Hallo ihr lieben Humboldt-Explorers-Interessierten und herzliche Grüße aus dem warmen Mexiko!
Im Rahmen meines Praxissemesters für den Master of Education hatte ich für fünf Monate die Möglichkeit, unterrichtspraktische Erfahrungen an der deutschen Auslandsschule Alexander von Humboldt in Lomas Verdes zu sammeln. Hier konnte ich nicht nur Eindrücke über den Schulalltag sammeln, sondern auch die pflanzliche Artenvielfalt rund um Mexiko-Stadt kennenlernen und das Projekt Humboldt-Explorers für eine mögliche Kooperation vorstellen. Wie eine künftige Internationalisierung der Humboldt-Explorers aussehen könnte und was mir auf meinen Reisen noch so passiert ist, möchte ich in diesem Reisebericht gern mit euch teilen.
Mexiko-City eine Megastadt
Mein Auslandsaufenthalt startete Anfang September 2024. Zu dieser Zeit ist in Mexiko-Stadt Regenzeit, und das lässt sich die Stadt nicht zweimal sagen. Von Juni bis Mitte Oktober gibt es hier fast täglich starke Regenschauer, die spätestens am Nachmittag einsetzen und teilweise von grollendem Donner begleitet werden, der die umliegenden Vulkane erzittern lässt. Ein positiver Nebeneffekt des Regens ist neben der Bewässerung von Pflanzen auch die Reduzierung des Smogs in der Megastadt. Obwohl Mexiko-Stadt von der Fläche her weniger als doppelt so groß ist wie Berlin, leben hier fast 18 Millionen Einwohner, was mehr als die vierfache Einwohnerzahl Berlins ist.
Im Landeanflug auf die Stadt hatte ich das Glück die Megacity mit ihrer beeindruckenden Weite und den eindrucksvollen Vulkanen am Stadtrand von oben zu sehen. Die Stadt selbst liegt auf 2.240 Metern Höhe und ist von mehr als acht Vulkanen umgeben. Der aktive Vulkan Popocatépetl und der inaktive Vulkan Iztaccihuatl überragen die Stadt mit einer Höhe von über 5.400 Metern. Zwischen dem pulsierenden Lärm der Großstadt, den Vulkanen und den donnernden Gewitterwolken waren es eindrucksvolle erste Wochen.

Der Landeanflug auf Mexiko-Stadt
Die Deutsche Auslandsschule Alexander von Humboldt in Lomas Verdes

Uhrzeiten im Schulgebäude Lomas Verdes
Trotz des vielen Regens gab es fast jeden Morgen Sonne und eine Lufttemperatur zwischen 22-24° C. Der Campus der Schule befindet sich am Stadtrand im Norden, und in den frühen Morgenstunden konnte man die aufgehende Sonne über den umliegenden Vulkanen der Stadt bewundern. Der Schulcampus in Lomas Verdes ist der Standort für die Klassen 7 bis 12 der gymnasialen Sekundarstufe I und II. Hier können die Lernenden das Deutsche Internationale Abitur (DIA), den mexikanischen Abschluss Bachillerato Alemán UNAM (BAU) und den Bachillerato por el Colegio Ciencias y Humanidades (CCH) erlangen oder mit dem mittleren mexikanischen Schulabschluss sowie einem deutschen Real- oder Hauptschulabschluss die Schule verlassen. Die Begegnungsschule hat durch ihre über 130-jährige Tradition einen fundierten Fokus auf Bikulturalität und Dreisprachigkeit. Die deutsche und die mexikanische Kultur treffen hier täglich aufeinander. Das ließ sich vor allem an den unterschiedlichen Feiertagen deutlich spüren. Während meiner Zeit an der Schule konnte ich die Feier zum Unabhängigkeitstag von Mexiko, den Tag der Deutschen Einheit, das Oktoberfest, den Tag der Toten und Weihnachten miterleben. Zu dem einen Fest gab es einen Piñata-Wettbewerb und Tacos, bei einem anderen wurden die deutsche Nationalhymne gesungen und Brezeln gegessen oder der mexikanische Grito zelebriert. Doch auch im Unterricht ließ sich die Bikulturalität täglich spüren.


Schulgelände und Gebäude der Deutschen Auslandsschule Alexander von Humboldt Lomas Verdes
Für den Unterricht orientiert sich die Schule am Rahmenlehrplan von Baden-Württemberg, an den Vorgaben des Bildungssenats von Mexiko und an einem schulinternen Curriculum. Die Unterrichtssprache ist in den meisten Schulfächern Deutsch, mit einigen Ausnahmen wie Ethik und Geografie in den Klassenstufen 7 bis 9. Hier war es für mich vor allem im Fach Ethik spannend, die unterschiedlichen Anforderungen und Unterrichtsinhalte des deutschen Lehrplans sowie die Vorgaben des Bildungssenats von Mexiko zu vergleichen. Ungefähr 80 Prozent der Schüler:innen sprechen Spanisch als Muttersprache und lernen seit der Grundschule Deutsch als Fremdsprache (DaF) oder Zweitsprache (DaZ). Es gibt jedoch auch Klassen, in denen der Fokus stärker auf der Sprachbildung liegt, sodass hier Schüler:innen am Unterricht teilnehmen können, die erst zu einem späteren Zeitpunkt Deutsch lernen oder noch gezielte Unterstützung brauchen. Zusätzlich gibt es Sprachunterricht in Deutsch und Spanisch für Lernende, die einen intensiven Sprachkurs benötigen.
Alle Schüler:innen haben ab der dritten Klasse eigene Tabletts, mit denen die Unterrichtszeit überwiegend digital gestaltet wird. Die meisten Arbeitsaufträge, Arbeitsblätter und Hausaufgaben werden digital gespeichert, sodass Transparenz über die Lerninhalte besteht. Jede Klasse ist mit einem Beamer und einem Whiteboard ausgestattet, und die Schüler:innen haben ab der 7. Klasse Informatikunterricht. Die Schule ist eine MINT-freundliche Schule mit ausgezeichneter technischer Ausstattung.
Das Projekt Humboldt Explorers geht international

Präsentation des Projektes Humboldt-Explorers im Lehrerzimmer der deutschen Auslandsschule.
Als Mitarbeiterin der Humboldt-Explorers war es für mich daher auch ein Anlass, dieses Projekt in der Schule vorzustellen, um nach Möglichkeiten für eine Internationalisierung Ausschau zu halten. Eine Teilnahme der Schule am Projekt Humboldt-Explorers wäre durch die vorhandene technische Ausstattung problemlos möglich. Die Lernenden könnten über ihre eigenen Tablets auf die Webseite der Humboldt-Explorers zugreifen und so den Zugang zu den Lerneinheiten erhalten. Da in der Schule regelmäßige Lehrerfortbildungen in Form von Vorträgen aus dem Kollegium stattfinden, konnte ich das Projekt Humboldt-Explorers während einer dieser Fortbildungen den MINT-Lehrkräften vorstellen, Möglichkeiten zur Zusammenarbeit aufzeigen und eine Lehrkräftebefragung durchführen. Gemeinsam mit den Projektleitenden haben wir über Kooperationsmöglichkeiten und Fragen nachgedacht, die eine Internationalisierung des Projektes vorantreiben könnten.
An der Befragung nahmen fünf Lehrkräfte aus dem MINT-Bereich teil. Zwei Lehrkräfte gaben an, sich für die Nutzung der digitalen Lerneinheit im Unterricht und für die Programmierung einer eigenen SenseBox zur Teilnahme am Citizen Science Projekt zu interessieren. Drei Lehrpersonen interessierten sich auch für die Nutzung der Messdaten der OpenSenseMap. Bezüglich einer möglichen Integration des Projektes gaben die Befragten Lehrpersonen die Fachbereiche Informatik, Biologie (Artenvielfalt), Geografie, Informatik und MINT-Fächer allgemein an.
Gelobt wurden vor allem die Funktionen der Lernvideos und die Möglichkeit, die Informationstexte auch als Audio abzuspielen. Insgesamt zeigten sich drei der MINT-Lehrkräfte an einer Kooperation interessiert. Für die Lehrkraft im Fach Informatik war vor allem das Zusammenbauen und Programmieren einer eigenen SenseBox von Interesse. Dies kann mit dem Programm Blockly während des Informatikunterrichts unter Anleitung der Lehrkraft stattfinden. Hierfür wünschte sich die Schule ein Skript als Anleitung oder Video-Tutorials zur Programmierung der SenseBoxen. Weiterhin wäre eine Kostenaufstellung zur Bestellung der SenseBoxen und eine Ansprechperson des Projektes hilfreich, die für Fragen zur Verfügung steht. Drei der Befragten MINT-Lehrkräfte konnten sich ein fächerübergreifendes Schulprojekt vorstellen, das sich mit der Programmierung, der Installation verschiedener Sensoren, der Datenerhebung und Datenanalyse beschäftigt. Alle Lehrpersonen gaben an, eine Ansprechperson für eine Einweisung und für Rückfragen zu benötigen, die beispielsweise über Zoom erreichbar ist. Zusätzlich wurde angemerkt, dass die Vorbereitungszeit für den Unterricht für die Lehrpersonen so kurz wie möglich gehalten werden sollte.
Möglichkeiten zur Kooperation
Da die Deutsche Auslandsschule Alexander von Humboldt über eine ausgezeichnete technische Ausstattung verfügt, wäre die technische Umsetzung eines neuen Standortes für das Citizen Science Projekt Humboldt-Explorers möglich. Die Standortbedingungen sind für die Datenerhebung innerhalb des Projektes ebenfalls vorteilhaft. Für die Lerneinheit zum Geräuschpegel im Fachbereich Physik bietet der Schulhof verschiedene Schall reflektierende, absorbierende und streuende Oberflächen, die für die Durchführung der Lerneinheit vorteilhaft sind. Der Schulgarten, die zum Schulgelände gehörende Begrünung bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Lerneinheit der Biologie zum Thema pflanzliche Artenvielfalt. Die derzeit in Planung befindlichen Lerneinheiten zum Thema Feinstaubbelastung und städtischer Wärmeinseleffekt sind für diesen Schulstandort ebenfalls spannend, da die Schule am Rande von Mexiko-Stadt liegt. Es wäre interessant die Feinstaubbelastung vor Ort über die verschiedenen Jahreszeiten zu messen. So könnte beispielsweise überprüft werden, ob die Regenzeit tatsächlich einen lokalen positiven Effekt auf die Feinstaubbelastung in der Luft hat oder zu welcher Jahres- oder Tageszeit die Belastung am höchsten ist. Da Mexiko-Stadt als Megacity ein gutes Beispiel für den städtischen Wärmeinseleffekt ist, wäre auch diese Lerneinheit für die Schule und für die Lernenden interessant. Hier könnten die Schüler:innen auf die Städteplanung ihrer Hauptstadt eingehen und diese mit der Städteplanung in Berlin vergleichen. Klima, Feinstaubbelastung und pflanzliche Artenvielfalt sind sowohl lokale als auch globale Phänomene. Durch eine Kooperation mit der deutschen Auslandsschule und der Internationalisierung des Projektes Humboldt-Explorers könnten die Lernenden verschiedener Länder mit eigens gesammelten, internationalen Daten arbeiten und diese Phänomene digital miteinander erforschen. Dies fördert nicht nur 21st Century Skills, sondern auch den internationalen Austausch in Umweltfragen, der für diese Themen von großer Bedeutung ist. Insgesamt kann ich sagen, dass eine Kooperation mit der Deutschen Auslandsschule Alexander von Humboldt in Mexiko-Stadt nicht nur möglich, sondern auch für beide Seiten bereichernd sein könnte.

Durchführung eines Experiments im Biologieunterricht
Da die Deutsche Auslandsschule Alexander von Humboldt über eine ausgezeichnete technische Ausstattung verfügt, wäre die technische Umsetzung eines neuen Standortes für das Citizen Science Projekt Humboldt-Explorers möglich. Die Standortbedingungen sind für die Datenerhebung innerhalb des Projektes ebenfalls vorteilhaft. Für die Lerneinheit zum Geräuschpegel im Fachbereich Physik bietet der Schulhof verschiedene Schall reflektierende, absorbierende und streuende Oberflächen, die für die Durchführung der Lerneinheit vorteilhaft sind. Der Schulgarten, die zum Schulgelände gehörende Begrünung bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Lerneinheit der Biologie zum Thema pflanzliche Artenvielfalt. Die derzeit in Planung befindlichen Lerneinheiten zum Thema Feinstaubbelastung und städtischer Wärmeinseleffekt sind für diesen Schulstandort ebenfalls spannend, da die Schule am Rande von Mexiko-Stadt liegt. Es wäre interessant die Feinstaubbelastung vor Ort über die verschiedenen Jahreszeiten zu messen. So könnte beispielsweise überprüft werden, ob die Regenzeit tatsächlich einen lokalen positiven Effekt auf die Feinstaubbelastung in der Luft hat oder zu welcher Jahres- oder Tageszeit die Belastung am höchsten ist. Da Mexiko-Stadt als Megacity ein gutes Beispiel für den städtischen Wärmeinseleffekt ist, wäre auch diese Lerneinheit für die Schule und für die Lernenden interessant. Hier könnten die Schüler:innen auf die Städteplanung ihrer Hauptstadt eingehen und diese mit der Städteplanung in Berlin vergleichen. Klima, Feinstaubbelastung und pflanzliche Artenvielfalt sind sowohl lokale als auch globale Phänomene. Durch eine Kooperation mit der deutschen Auslandsschule und der Internationalisierung des Projektes Humboldt-Explorers könnten die Lernenden verschiedener Länder mit eigens gesammelten, internationalen Daten arbeiten und diese Phänomene digital miteinander erforschen. Dies fördert nicht nur 21st Century Skills, sondern auch den internationalen Austausch in Umweltfragen, der für diese Themen von großer Bedeutung ist. Insgesamt kann ich sagen, dass eine Kooperation mit der Deutschen Auslandsschule Alexander von Humboldt in Mexiko-Stadt nicht nur möglich, sondern auch für beide Seiten bereichernd sein könnte.
Das Fazit
Ich bin sehr dankbar für das Interesse und die Unterstützung durch die Lehrkräfte vor Ort und für die Möglichkeit, die Schule auch aus der Perspektive des Projektes Humboldt-Explorers kennengelernt zu haben. Ich behalte vielfältige kulturelle Eindrücke, Traditionen, Feste und eine atemberaubende Landschaft in Erinnerung. Zwischen pulsierender Großstadt mit dröhnendem Donner, rauchenden Vulkanen, rhythmischen Trommeln, leckerem Essen, beeindruckender Artenvielfalt, einer inspirierenden kulturellen Vielfalt und stets herzlichen Menschen fühlte ich mich nicht nur willkommen, sondern wie in einem zweiten Zuhause.
Ich freue mich auf ein Wiedersehen! Saludos de Berlín y hasta pronto,
Hannah







